Reise in das Land der Superlative - BDB/BFT-Fachstudienreise nach Dubai

Auf dem Programm standen neben drei Werksbesichtigungen von Betonfertigteilwerken, ein Messebesuch der BIG 5 sowie eine Stadtbesichtigung, die ausschließlich die Bautätigkeit in der Stadt in den Vordergrund stellte.

Direkt am ersten Reisetag machten die 17 Reiseteilnehmer zunächst einen touristischen Stadtrundgang mit Blick auf die wichtigen Sehenswürdigkeiten und einem kurzen Ausflug in den Gold-Souk. Den ersten Reisetag beschloss ein begeisternder Vortrag des dort lebenden Architekten Dominic Wanders. Die beiden deutschen Architekten Dominic Wanders und Hannes Werner haben nach jahrelanger Erfahrung in Dubai im Jahr 2008 das Architekturbüro Wanders Werner Falasi gegründet. Und Dominic Wanders merkt man seine Begeisterung für die schier unendliche Bautätigkeit in Dubai an. Sein wirklich begeisternder Vortrag von zwei Stunden sprühte vor Superlativen und den dazugehörigen Bildern. Die Bilderflut lieferte einen tollen Eindruck der Stadt, die noch in den 1990er Jahren eine Wüstenstadt war.

Dubai ist eines von sieben Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die sich 1971 bzw. 1972 zusammen geschlossen haben. Verfassungsgemäß kommt der Präsident aus Abu Dhabi, dem reichsten Emirat, das über 90 % der in den VAE geförderten Ölmenge verfügt. Insgesamt fördern die VAE 2,8 Mio. Barrel Öl pro Tag. Das Emirat Dubai hat 1,7 Mio. Einwohner (Jahr 2000: 0,86 Mio. Einwohner, die sieben Emirate gemeinsam haben 5 Mio. Einwohner, davon 80 % Ausländer. Allein im Emirat Dubai kamen im Jahr 2008 30 Einwohner pro Stunde hinzu. Das Jahresdurchschnittseinkommen der Einwohner Dubais beträgt 45.000 US-Dollar, die monatlichen Architektengehälter sind mit 5.000 bis 6.000 € netto die höchsten der Welt.

Der zweite Reisetag begann mit einer Besichtigung und Präsentation bei dem Projektentwickler Nakheel, der durch die krisenhaften Ereignisse Ende November Berühmtheit erlangte. Nakheel ist der größte der drei staatlichen Projektentwickler, der berühmte Projekte wie die Palm Jumeirah, vorantrieb. Das Ziel, die größte Touristendestination der Welt zu werden, erwies sich jedoch als schwierig. Dubai hat insgesamt nur 70 km Strand. Daher wurden die berühmten Projekte ins Leben gerufen, um primär die Küstenstreifen zu erweitern. Durch diese sog. Off-Shore-Projekte sollten 1.000 km Küste hinzu gefügt werden. Bisher sind die Aufschüttungsarbeiten für 800 km abgeschlossen. Das verwendete Material hierfür stammt aus dem Arabischen Golf. Die erste von drei Inseln vor der Küste Dubais wurde vollständig umgesetzt und hat heute 10.000 Bewohner.

Bei einem Gespräch mit dem verantwortlichen Ingenieur für ein im Bau befindliches 90 Etagen hohes Wohnhaus in der Dubai Marina, 23 Marina, zeigten sich jedoch auch die Schwächen dieses Systems. In Dubai arbeiten Bautrupps bestehend aus ausländischen Arbeitern aller Herren Länder, allen voran Pakistan, Indien, Bangladesch, und natürlich mit den verschiedensten Sprachen. Die gemeinsame Sprache ist Englisch. Der Lohn beträgt ca. 250 US-Dollar monatlich, die Unterkunft wird zusätzlich gestellt, im Sommer müssen die Arbeiter bei bis zu 50 °C nicht nur mit Wasser sondern auch mit isotonischen Getränken versorgt werden. Innerhalb von einer halben Stunde werden sie für ihre Tätigkeiten angelernt, egal ob sie anschließend die elektrischen Leitungen verlegen, Bewehrungsarbeiten durchführen oder betonieren. Die Anlieferung der Baumaterialien darf nur nachts erfolgen, da der Lkw-Verkehr tagsüber die angespannte Verkehrssituation verschärfen würde. Gearbeitet wird in zwei 12-Stunden Schichten, der Ingenieur Rubén verfügt beim Bau des Hochhauses in der Dubai Marina über zwei 8-Stunden-Schichten à 1.000 Arbeitern. Im Stahlbetonbau wird mit doppelten Sicherheiten gerechnet, da die Ausführungsqualitäten bekannt unzureichend sind. Die 100 Bohrpfähle bei 23 Marina waren 60 bis 70 m tief mit 1 m Durchmesser.

Am Ende des Tages war die Reisegruppe durchaus beeindruckt, aber auch sehr skeptisch über die scheinbar endlosen Superlativen.

Am dritten Reisetag standen zwei Werksbesichtigungen auf dem Programm. Die Firma Ha-Be Betonchemie ermöglichte durch ihren Vertriebsleiter für den Raum Middle-East Sönke Schwill zwei Werksbesichtigungen, die mit nicht weniger Superlativen versehen waren. Sönke Schwill lebt seit Jahren in Dubai und leitet die dortige Niederlassung. So wurde es möglich, das Fertigteilwerk RAK Precast und ein Pflastersteinwerk von TGC Trans Gulf Cement Products zu besichtigen.

RAK Precast - Halbautomatische Produktion (links); Zementsilos (rechts)

Am Vormittag besichtigten wir das Unternehmen RAK Precast im Emirat Ras Al-Khaimah. Das Werk wurde im Jahr 2006 gebaut, im März 2007 startete die Produktion. Der Produktionsschwerpunkt liegt nunmehr auf Spannbetondecken und Fertigteilelementen (Leitwände, Wände, Fundamente, Säulen, Balken und Treppen). RAK Precast ist ein recht großes Unternehmen mit gut 1.000 Angestellten und eigenen Abteilungen für Bemessung und Ingenieurdienstleistungen. Die Werksführung wurde von dem Operations Manager Abdulkhalik Abdullah und dem QC & Material Engineer Ahmad Abdul Hamid durchgeführt. Das Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben täglich 300 m³ Beton in der Fertigteilproduktion, davon 200 m³ für die Herstellung von Hohldecken. Der Einsatz von Microsilica ist in diesem Werk üblich. Die Hauptabnehmer für ihre Produkte befinden sich im Nachbarstaat Oman, dessen Hauptstadt Muscat mit einem Lkw in wenigen Stunden zu erreichen ist. Da hier gilt „first transportation then dimension“ spielen die zulässigen Abmaße eine entscheidende Rolle im arabischen Bauwesen.

Die Fertigungsanlagen wurden vom deutschen Unternehmen Ebawe geliefert. Das Werkslayout berücksichtigte hier das halbautomatische Prinzip: der Tisch ist verfahrbar und fährt zur Betonierstation (cast on table). Einige der Tische sind beheizbar. Die Absteller der Fertigungstische sind auf einer Seite fest angebracht, die anderen Seiten sind mit flexiblen Abstellern auszulegen (Fa. Ratec). Der Beton wird in einer Mischanlage der Firma Wiggert gemischt und per Kübel angeliefert. In Trockenkammern für 30 Tische härtet der Beton dann aus. Insgesamt sind 40 Tische im Umlauf, und so können die Werksmitarbeiter die Tagesproduktionen in zwei Schichten erzielen. Stolz verweist man auf den Bau von 16 Gebäuden in nur 6 Monaten.

Plattenpresse bei TGC in Dubai

Nachmittags besichtigten wir das Werk Trans Gulf Cement Products, das im Jahr 1997 als erstes Werk in Dubai mit der Pflastersteinproduktion begann. Beschäftigt sind hier 387 Mitarbeiter, acht davon in der Verkaufsabteilung. 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr werden hier in zwei Schichten 500 t Zement pro Tag verarbeitet. Die angegebene Tagesproduktion an Pflastersteinen beträgt 9.000 m² und 6.000 lfd. m Bordsteine. In einer weiteren Produktionsstätte werden täglich ca. 35.000 Hohlblöcke produziert. Damit gehört das Unternehmen zu den Marktführern und vereinigt 22 % Marktanteil auf sich. Ein Prestigeobjekt, welches mit den Produkten von TGC ausgestattet wurde, ist die Formel-1-Rennstrecke in Abu Dhabi (1,3 Mio m²).

Der vierte Reisetag begann mit dem Besuch der Messe BIG 5. Die BIG 5 ist die größte Baumesse im arabischen Raum, vergleichbar mit der BAU in München. Es stellen alle Unternehmen rund um den Bau aus, vom Kühlschrank über Fenster bis hin zur Maschinenindustrie für Betonfertigteilwerke. Viele bekannte Gesichter waren zu sehen. Nach dem von der Chefredakteurin der BFT, Frau Andrea Janzen, geführten Rundgang kamen die Reiseteilnehmer mit vielen ihrer Lieferanten ins Gespräch. Bei einem Mittagsimbiss am AUMA-Stand stärkte man sich für den nächsten Firmenbesuch.

Mammut-Werk

Auch hier wurde mit Superlativen nicht gespart. Auf dem Programm stand der Besuch des Betonfertigteilwerks Mammut, dem weltweit größten Werk. Geleitet wird es von dem Deutschen Gerhard Böckmann, der persönlich die Teilnehmer durch das Werk führte und aus seiner bisher zweijährigen Zeit in dem arabischen Land sehr viele Erfahrungen zu berichten wusste. Die Ursprünge des Unternehmens Mammut liegen in der Fertigung von Aufliegern für Lkws. Der Besitzer sieht große Chancen in der industriellen Fertigung und erweiterte das Produktspektrum stetig. Erbaut wurde das Betonfertigteilwerk Mammut im Jahr 2005, seit dem Jahr 2006 ist das Werk in Betrieb. Produziert wird im Mammut auf einer Umlaufanlage mit 100 Paletten mit jeweils 16 m Länge und 4,50 m Breite.

Insgesamt beschäftigt das Fertigteilwerk inkl. Montage und Auslieferung eine Belegschaft von 240 Personen, 50 davon sind Ingenieure, die die Bauprojekte von A bis Z begleiten. Ein Beleg für die Andersartigkeit des Alltags in einem arabischen Betonfertigteilwerk ist die Tatsache, dass das Anmachwasser auf 0 °C herunter gekühlt wird und auf dem Werksgelände befindet sich eine Moschee. In den Sommermonaten Juli und August ist das Arbeiten im Freien zwischen 12 und 15 Uhr untersagt.

Die Organisatoren BDB, BFT und die Reiseteilnehmer bedanken sich sehr herzlich bei den Firmen Ha-Be Betonchemie und Mammut, in persona bei den Herren Schwill und Böckmann, für die Einladung und Unterstützung. Die Fachstudienreise nach Dubai wäre ohne ihre Hilfe nicht möglich gewesen.


Der gesamte Bericht als PDF [Bauverlag, BFT 03/2010]

 

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